Aufrecht sitzen und was deine Hose damit zu tun hat – Teil 1

 

Würdest du dir wünschen, du hättest eine richtig gute Haltung? Aufrecht sitzen wie die Königinnen und Könige auf ihren Thronen? Aber in Wirklichkeit ist das sooo anstrengend und unangenehm? Dann verrate ich dir jetzt, woran das liegt.

 

Welche Rolle spielt die Hose?

Sitzt du gerade gerade? Also aufrecht? Falls nicht, mach das mal.

Wahrscheinlich merkst du, dass der Druck deiner Hose auf den Unterbauch (oder andere Regionen) zunimmt, wenn du versuchst, aufrecht zu sitzen. Oder du hast Glück, sitzt gerade in der Jogginghose zu Hause und merkst nichts davon – dann teste das doch in den nächsten Tagen mit verschiedenen Hosen die du trägst.

Falls du nun also eine im Sitzen unangenehm enge Hose trägst – öffne den Knopf. Aaah, ist das nicht angenehm? Und vielleicht auch erschreckend, wie viel Bauch durch die Hose „zurückgehalten“ wurde?

Wenn du eine zu eng geschnittene Hose trägst, musst du dich gegen deren Widerstand aufrichten. Denn herkömmliche Hosen fördern durch ihren Schnitt und den starren Bund das Rundsitzen. Daher diese Seiten und meine Empfehlungen für bequeme Hosen, mit denen du überhaupt erstmal anfangen kannst, aufrecht zu sitzen.

Schau, wie viel „fingerbreit“ Platz zwischen deinem Bauch und dem Hosenbund sind, wenn du mit Rundrücken und auf dem Steißbein sitzt, und wie viel Platz, wenn du auf den Sitzbeinhöckern sitzt. Na?

Es ist nicht viel, reicht aber aus, dass dein Körper das Sitzen auf dem Steiß bevorzugt.

Eine Hose, die dem Bauch Platz macht ist Grundvoraussetzung, um überhaupt angenehm aufrecht sitzen zu können. Sind diese Voraussetzungen geschaffen, kannst du dich an die anderen, gewohnheitsbedingten Herausforderungen machen. Aber ohne bequeme Hose keine Chance.

Ist das nicht krass? Für mich war diese Erkenntnis ein Meilenstein. Meine Kleidung bestimmt maßgeblich, welche Bewegungsmöglichkeiten ich habe und formt so meine Gewohnheiten und damit meinen Körper.

 

Was meine ich überhaupt mit aufrecht sitzen?

Da die Vorstellungen davon, was „aufrecht sitzen“ bedeutet unterschiedlich sind, möchte ich im Folgenden erklären, was ich darunter verstehe. Schau dir die drei Bilder an. Auf welchem habe ich eine „gute Haltung“ und sitze "aufrecht"?

Gut, Bild 1 hast du wahrscheinlich ausgeschlossen. Hier siehst du eine typische Sitzhaltung unserer Zeit. Kleinkinder können das noch nicht, aber pünktlich mit Schulstart entwickeln die Kinder diese unschöne Gewohnheit. Das Gewicht lastet dabei auf dem Steißbein, das bedeutet, das Becken kippt nach hinten und du sitzt sozusagen auf deinem "eingezogenen Schwanz" - nein, das ist kein vulgärer Ausdruck. Das Steißbein ist das Überbleibsel eines Schwanzes. Als Ausgleich entsteht der typische Quasimodo-Buckel inklusive vorgeschobenem Kopf.

Prinzipiell ist keine Haltung grundsätzlich "schlecht" und auch diese gehört zum Bewegungsspektrum dazu. Sie sollte allerdings nicht stundenlang eingenommen werden. Tiefergehend erkläre ich das im zweiten Teil.

 

Bild 2 zeigt die typische Haltung, die Leute einnehmen, wenn sie erfahren, dass ich Rückenschullehrerin bin. Marke "Stock verschluckt" ist die Überkorrektur der "Bild 1"-Haltung. Verstehst du das als "gerade sitzen" dann verstehe ich, warum du das nicht durchhältst. Was wunderbar königlich anmutet, führt langfristig zu Verspannungen, Schmerzen und Schwächung deiner Rumpfmuskulatur (mehr in Teil 2). Bleibt also Bild 3.

 

Bild 3 zeigt aus meiner Sicht eine gesunde, aufrechte Sitzhaltung. Das Gewicht lastet auf den Sitzbeinhöckern, der Brustkorb sitzt über dem Becken, man könnte ein Lot durch Ohren, Schultern und Becken fällen.

Wie genau diese Haltung funktioniert zeige ich dir im zweiten Teil dieser Artikelserie.

 

Aber jetzt erstmal: AUFSTEHEN (zu langes Sitzen am Stück hat vielfältige negative Auswirkungen)!

 

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