Aufrecht sitzen und was deine Hose damit zu tun hat – Teil 2

Im ersten Teil ging es um aufrechtes Sitzen, und warum deine Hose dir das erschweren kann. Nun will ich dir genauer zeigen, was ich mit aufrechtem Sitzen meine.

 

Aufrecht sitzen, aber richtig

Zunächst einmal ist mir wichtig zu erwähnen, dass jede Form des Sitzens ihre Berechtigung hat. Das Ziel ist, variabel zu sitzen, in verschiedenen Sitzpositionen, idealerweise auf verschiedenen Sitzmöbeln und am besten: weniger sitzen. Warum ich in der Rückenschule trotzdem das "aufrechte Sitzen" lehre, liegt daran, dass die meisten Menschen ein bis zwei bevorzugte Sitzgewohnheiten haben, in denen sie stundenlang verharren - und das aufrechte Sitzen gehört nicht dazu. Wir müssen aufrechtes Sitzen erst wieder "trainieren", um es wieder in unser Sitzrepertoire übernehmen zu können. Daher eine kurze Anleitung.

Also nichts gegen anlehnen, aufstützen, zusammensacken. Aber eben AUCH sich aus eigener Kraft halten können, ohne Unterstützung durch Lehne oder Armstütze, dafür "im Lot".

 

Es heißt Hintern und nicht Untern - Sitzen auf den Sitzbeinhöckern

Der erste Punkt– öfter auf deinen Sitzbeinhöckern sitzen. Und weniger auf deinem Steißbein. Dazu hast du sie schließlich, deine SITZbeinhöcker. Ruckle mit dem Popo auf dem Stuhl abwechselnd rechts und links nach hinten, bis du das Gefühl hast, dein Popo steht meterweit hinten raus (Entenpo). Es heißt Hintern, nicht Untern, weil der Hintern immer hinter dem Körper sein sollte. Bei den meisten Menschen (Hausaufgabe: beobachte andere!) befindet sich der Po „unter“ dem Oberkörper, nicht dahinter.

Nun kannst du zum Test die Hände unter den Popo stecken. Wenn dir zwei Knochen jetzt unangenehm in die Hände drücken, sitzt du auf deinen Sitzbeinhöckern, Glückwunsch!

 

Brust raus? Nicht übertreiben!

Die Chancen sind groß, dass du mit der Veränderung im Becken auch oben etwas verändert hast. Vermutlich hast du dich im Brustkorb „aufgerichtet“?! Schultern zurück, Brust raus? Weil man so „gesund aufrecht“ sitzt? Das mach mal rückgängig. Denn das führt dazu, dass du nach kurzer Zeit sagst: “Ach, das ist mir viel zu anstrengend“ oder falls du es durchhältst bekommst du Verspannungen im oberen Rücken. Lass also den Brustkorb bewusst sinken.

In meinen Vorträgen benutze ich einen Stock, um zu zeigen, wie der Brustkorb stehen sollte - du kannst auch einen Stift nehmen. Lege diesen auf den unteren Bereich deines Brustbeins (wo finde ich das? Siehe Teil 1). Der Stift sollte vertikal zur Stuhlfläche stehen (Bild 1). Zeigt er weiter nach vorne (Bild 2), verkrampfst du dich im oberen Rücken zu sehr, lass also „logga“! Der Unterschied ist nicht groß. Es handelt sich um wenige Grad Unterschied.

Quasimodo mit Doppelkinn

Hast du den Brustkorb sinken lassen? Lass den Kopf ruhig auch mit dem Brustkorb nach „unten“ sinken. Kinn und Nase zeigen nach unten. Und jetzt kommt der Knüller: Bringe mithilfe deiner Rückenmuskulatur deinen Kopf nach hinten, ohne etwas an deiner Kinnhaltung zu verändern. Jetzt hast du ein Doppelkinn, und benutzt Muskeln, die du vermutlich schon lange nicht mehr benutzt hast. Außerdem kann es sein, dass deine Augen weiterhin nach unten schauen. Tipp: Du kannst deine Augen unabhängig von deinem Kopf bewegen 😉

Schau: Kinder haben diese Kopfhaltung noch, die an Grazie nicht zu übertreffen ist. So wäre also eine aufrechte, entspannte, lotrechte Sitzhaltung (die sich für dich aktuell überhaupt nicht entspannt anfühlt).

Kleinkind sitzt aufrecht

Es ist übrigens normal, dass die Schultern nach vorne hängen und alles ziemlich zusammengesunken aussieht. Du erkennst jetzt - und das kann ganz schön schockierend sein- wie der Zustand deines Rückens wirklich ist. Die allermeisten von uns (ich auch) haben einen ausgeprägten „Buckel“, den sie aber durch die Über-Aufrichtung des Brustkorbs verstecken – willkommen im „Club der Quasimodos“.

 

Bauchspannung loslassen

Als wenn das nicht schon genug Verunhübschung wäre, darfst du jetzt noch deinen Bauch locker lassen.

Äh, was jetzt?! Ja, du ziehst gerade unbewusst deinen Bauch nach innen-oben!

Woher ich das weiß? Weil ich es auch immer tue.

Das hängt vermutlich auch mit deiner Atmung zusammen… Aber das ist vielleicht doch alles ein bissel viel für einen Blogpost?

 

Gehe nochmal bewusst zurück zu deiner üblichen Sitzhaltung und versuche dann die neue Haltung einzunehmen.

Sitzbeinhöcker - Brustkorb locker - Doppelkinn - Bauch locker

 

 Ja, es ist ungewohnt. Erzwinge nichts. Die neue Position sollte nicht anstrengend sein oder dich verkrampfen, dann stimmt etwas nicht!

Wenn du magst, kannst du immer mal wieder in die neue Position gehen und damit spielen.

 

Schreibe mir in die Kommentare, wie das für dich ist, ja?

 

In Teil 3 runde ich das Thema ab, indem ich aufzeige, was es dir gesundheitlich bringt, aufrecht zu sitzen und welche Faktoren aufrechtes Sitzen ebenfalls erschweren.

 

 

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